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.Konrad Paul Liessmann
"Armut ist eine Geißel, die die Menschheit seit Anbeginn begleitet. Der ungleiche Zugang zu knappen Ressourcen und Gütern, die ungleiche Verteilung von Lebenschancen, der Kontrast von singulärem Wohlstand und Reichtum auf der einen Seite mit massenhaften Elend, Hunger, Krankheit und Tod auf der anderen prägte das Bild fast aller Gesellschaften. Ebenso gehören deshalb Formen der Armenfürsorge, Almosensysteme, Aufrufe zur Hilfe und der Wunsch nach Barmherzigkeit zu den Begleiterscheinungen dieser Gesellschaften. Im Gegensatz dazu ist die moderne kapitalistische Gesellschaft insgesamt eine reiche Gesellschaft. Noch nie wurden so viele Güter produziert, noch nie war es möglich, so viele Menschen einerseits in den Produktionsprozess einzubinden und andererseits mit notwendigen und weniger notwendigen Gütern zu versorgen wie seit der industriellen Revolution. In einer modernen, hochproduktiven und effizienten Gesellschaft ist Armut ein Skandal, weil sie nicht mehr notwendig wäre. Die moderne Gesellschaft ist keine Mangelgesellschaft, wie fast alle anderen Gesellschaftsformationen vor ihr, sondern eine Überflussgesellschaft. Wenn in dieser Gesellschaft Menschen zu wenig haben, um einigermaßen menschenwürdig leben zu können, dann ist das System offenbar defizitär. Der Kampf gegen die Armut in einer modernen Gesellschaft hat so immer zwei Seiten: Man muss alles tun, um die unmittelbare Not von Menschen zu lindern, und man muss alles tun, dass die ungeheure Produktivität und der Reichtum dieser Gesellschaft allen Menschen zugute kommt, sodass Armut schlicht kein Thema mehr ist."
Lebenslauf
Konrad Paul Liessmann, geb. 1953 in Villach, Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien, Essayist und Kulturpublizist. Seit 1996 wissenschaftlicher Leiter des "Philosophicum Lech" und Herausgeber der gleichnamigen Buchreihe im Zsolnay Verlag. 1997-2002 und seit 2008 Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik, seit 2001 Mitglied des Kuratoriums des Europäischen Forums Alpbach, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. 2004 - 2008 Studienprogrammleiter für Philosophie an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien, seit 2008 Vizedekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien.
Forschungsgebiete: Ästhetik und Kulturphilosophie, Geschichte der Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, Gesellschafts- und Bildungstheorie.
Auszeichnungen: Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik 1996; Kulturpreis der Stadt Villach 1998; Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels 2003; "Österreichischer Wissenschafter des Jahres" 2006.
Wichtige Publikationen (Auswahl): Ohne Mitleid. Zum Begriff der Distanz als ästhetische Kategorie (1991); Philosophie der modernen Kunst (1993); Vom Nutzen und Nachteil des Denkens für das Leben (1997); Die großen Philosophen und ihre Probleme (1998); Philosophie des verbotenen Wissens. Friedrich Nietzsche und die schwarzen Seiten des Denkens (2000); Günther Anders. Philosophieren im Zeitalter der technologischen Revolutionen (2002); Kitsch oder Warum der schlechte Geschmack der eigentlich Gute ist (2003); Ästhetik der Verführung. Kierkegaards Konstruktion der Erotik aus dem Geiste der Kunst (2005); Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft (2006; 17. Aufl. 2008; TB-Ausgabe 2008, zahlreiche Übersetzungen); Zukunft kommt. Über säkularisierte Heilserwartungen und ihre Enttäuschung (2007); Ästhetische Empfindungen (2008); Schönheit (2009); Denken und Leben. Annäherungen an die Philosophie in biographischen Skizzen (4 ORF CD-Boxen, 1999-2006)
Fotocredit: Heinz Grosskopf








